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Gnome vor schweren Zeiten?

Während auf der noch laufenden Gnome-Konferenz GUADEC eine große Zukunft für Gnome prophezeit wurde und bereits Pläne für Gnome 4 vorgestellt wurden, sieht der Gnome-Entwickler Benjamin Otte das ganz anders. Für ihn steht Gnome am Abgrund.

Gnome-Shell mit Starter und Suche


Hans-Joachim Baader

Gnome-Shell mit Starter und Suche

Die Gnome-Konferenz für Entwickler und Anwender (GUADEC) findet 2012 vom 26. Juli bis 1. August in A Coruña in Spanien statt. Der Entwickler Benjamin Otte wollte ursprünglich einen Vortrag halten, sagte aber kurz zuvor seine Teilnahme ab. In einem neuen Blog-Eintrag erklärt er nun, dass er Gnome am Abgrund sehe. Dafür führt er mehrere Gründe an, die er als Tatsachen ansieht.

Wichtige Entwickler haben demnach Gnome verlassen, beispielsweise Emmanuele Bassi und Vincent Untz. Dies hatte zwar in diesen Fällen persönliche Gründe, würde das Projekt aber dennoch schwächen. Allerdings scheint Otte im Fall von Bassi falsch zu liegen, denn dieser schrieb in einem Kommentar, dass er das Projekt nicht verlassen habe und jetzt sogar wieder verstärkt mitarbeiten wolle.

Als Folge der ersten Behauptung ist Otte der Ansicht, dass Gnome zu wenige Entwickler hat. So wird das Toolkit GTK+ von nur einer Person gepflegt, nämlich von Otte selbst. Glib und Evolution haben nach seinen Angaben gar keinen aktiven Betreuer im Moment. Die Ohloh-Statistiken für Gnome ließen darauf schließen, dass höchstens 20 Leute in Vollzeit an Gnome arbeiten. Laut diesen Statistiken ist die Mehrzahl der Entwickler bei Red Hat angestellt, erst recht, wenn man diejenigen weglässt, die nur an GStreamer oder Übersetzungen arbeiten. Damit sei das Projekt zu stark von Red Hat abhängig.

Ein weiterer Kritikpunkt Ottes ist, dass Gnome kein Ziel mehr habe. Die 2005 ausgegebenen Ziele, eine funktionierende freie Desktop-Umgebung zu schaffen, seien erreicht worden. Nun, da es keine Ziele mehr gebe, gebe es auch keine Möglichkeit mehr, sich an ihnen zu messen. Bekanntlich gehen die Meinungen darüber auseinander, ob Gnome 3 besser ist als Gnome 2, doch objektiv gebe es keine eindeutige Antwort darauf.

Für Otte ist eine Folge dieser Ziellosigkeit und mangelnder Vorteile von Gnome 3, dass diverse Distributionen anstelle von Gnome jetzt andere Desktopumgebungen einsetzen, vor allem Ubuntu (Unity) und Linux Mint (Cinnamon). Dass diese den Großteil des Gnome 3-Unterbaus verwenden, erwähnt er allerdings nicht. Viele Unterstützer von Gnome haben laut Otte ihr Engagement reduziert oder Gnome ganz aufgegeben. Viele wichtige GTK-Desktopanwendungen (Gimp, Firefox, LibreOffice, Inkscape) haben noch nicht den Schritt zu Gnome 3 gemacht und scheinen keine Eile damit zu haben. Zudem wolle Gnome eine Oberfläche für Mobilgeräte werden, wodurch aber das gute Funktionieren auf Desktoprechnern vernachlässigt werde.

Die Behauptungen Ottes wurden von einigen Kommentatoren unterstützt, so soll beispielsweise die Teilnehmerzahl der GUADEC so niedrig wie noch nie gewesen sein, und kein Sponsor über dem Silber-Level konnte gefunden werden. Einige glauben, dass es derzeit an Dokumentation mangelt, wie Entwickler in das Schreiben von Gnome-Anwendungen einsteigen können, und wollen das ändern. Die Portierung auf Gnome 3 (GTK+ 3) sei zumindest für LibreOffice und Firefox in Arbeit. Einige Kommentatoren halten die Aussagen Ottes auch für irreführend oder übertrieben. Die Vorträge auf der GUADEC hätten gezeigt, dass sich die Entwickler der Probleme durchaus bewusst sind, und an Lösungen arbeiten.

Article source: http://www.pro-linux.de/news/1/18672/gnome-vor-schweren-zeiten.html

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